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Warten ...

Aktualisiert: Sept 5

... in Zeiten von "Corona"


Und wer die wahren Helden sind!



Gerade in Zeiten wie diesen, ist das wohl der allerletzte Ort, an dem man gerne verweilen möchte. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt (hat mein Dad immer gesagt).


Ich möchte jetzt auch gar nicht näher darauf eingehen, was genau der Grund für meinen unfreiwilligen Aufenthalt im Krankenhaus war, sondern vielmehr darauf, was es heißt, derzeit zum "Warten" gezwungen zu sein, gelassen zu bleiben und der Dinge zu harren, die da kommen. Eine Geduldsprobe sondergleichen. Und: dankbar zu sein!

Frei nach dem Motto: "Et hätt noch imme joot jejange!" habe ich somit Einkehr in mein Innerstes gehalten.


Denn ein Krankenhausaufenthalt während "Corona" ist ein echtes Erlebnis oder besser gesagt: ein Abenteuer.

(Glaubt mir - spätestes in solch einer Situation weiß man

Facebook, WhatsApp & Co. zu schätzen 😷.

Und alle Corona-Verschwörer können mir gepflegt den Buckel runter rutschen:

seid einfach froh, DERZEIT nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen.

Vor allem dann nicht, wenn Ihr selbst zur Risikogruppe

gehört oder so jemanden in Eurer Familie habt!)


Welch ein Segen, gleich mehrere Krankenhäuser hier in direkter Nähe zu haben und medizinisches Fachpersonal, das unter absolut besonderen Umständen sein Allerbestes gibt - zwar nervlich vollkommen überstrapaziert, aber trotzdem freundlich, hilfsbereit, fürsorglich und zuverlässig. Und noch dazu, eine verlässliche Familie!


Meine OP sollte an einem Freitag erfolgen. Nur zwei Tage nach Befund.

Zum Glück gehören viele OP's heutzutage zur Routine. Dennoch bricht schon ein klein wenig das familiäre Chaos aus, so kurzfristig alles unter einen Hut zu bekommen - inclusive Versorgung unserer Marla Peppels und ebenfalls auch meiner Mom, die aufgrund ihres Alters regelmäßig Unterstützung benötigt. Und nicht zuletzt, muss auch der Job und das berufliche Umfeld sich darauf einstellen.

Zwei Tage also noch ... puh! O.K., watt mutt, datt mutt. Am besagten Freitagmorgen wurde ich also pünktlich von meinem Lebensweggefährten :-) ins Krankenhaus gebracht. Und das auch nur bis zum Haupteingang, denn die Begleitung hat während "Corona" leider keinen Zugang. So mussten wir uns also bereits vor dem Haupteingang verabschieden. Ein sehr beklemmendes Gefühl.

Direkt als Erstes, im Empfangsbereich, wurde bereits doppelt die Körpertemperatur gemessen und eine kurze Befragung durchgeführt i.S. Gesundheitszustand. Alles wurde schriftlich erfasst, unterschrieben, fertig. Trotzdem ist auch das ein ziemliches befremdliches Gefühl. Denn der komplette Empfangsbereich war "sachdienlich" umgestaltet und wirkte alles andere als "einladend": sorgfältige Abtrennung der Bereiche und ebenso auch die Zugänge zu den Aufzügen. Es war irreal und wirkte zugleich futuristisch.

Nun denn ... Weiter ging's zur 2. Etappe der Anmeldung. Weitere Befragungen i.S. "Corona" erfolgten und auch der Hinweis, dass sich derzeit alles etwas langsamer abspielte, weil dies alles zusätzlich Zeit in Anspruch nimmt. Schon klar. Ich habe Verständnis dafür. Vor allem wenn man bereis eine 2-wöchige häusliche Quarantäne hinter sich bringen musste, in einer Zeit, in der "Corona" gerade erst das Bewusstsein der meisten hier zu Lande streifte und man weder medizinisch - geschweige denn hausärztlich - darauf vorbereitet war. Zwei Personen meiner Familie, so wie ich selbst, zählen zur sogenannten "Risikogruppe". Ich muss daher ehrlicherweise zugeben, dass ich schon ein ziemlich mulmiges Gefühl in der Magengrube hatte, ausgerechnet jetzt, ins Krankenhaus zu müssen. Aber es half nichts - ab zur OP-Vorbereitung! Eine ziemliche Prozedur medizinisch-körperlich, die ich da durchstehen musste und Details spare ich an dieser Stelle aus. Vor allem der Ritt durch die diversen Etagen (rauf, runter, rauf ..).

Und dann kam die Ernüchterung: die OP musste wegen "Covid-19" verschoben werden - auf den darauffolgenden Montag - also drei weitere Tage des Wartens und Ausharrens. Denn meine OP fiel noch unter "planbar" - trotzdessen, dass mein Gesundheitszustand bereits seinen Tribut gefordert hatte - gelinde gesagt. Es gibt eben noch (viel) Schlimmeres ... Und kurz zuvor wurde ein Notfall eingeliefert. So gerieten Krankenhäuser während "Corona" schnell an ihre Kapazitätsgrenze.


Machste nix .. et is, wie et is. Also spazierte ich wieder angezogen mit meiner gepackten Tasche aus dem Krankenhaus raus. Und die ganze familiäre Planung drumherum, Job usw. nochmal von vorne! Alles und jede(r) musste ja in dieser Zeit versorgt sein. Und vor allem lagen emotional bei uns allen die Nerven ziemlich blank.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass alles Hand in Hand (und Pfote) funktionierte! Mann, Hund ;o) und Schwester bildeten ein Super-Team und selbst meine Mutter (ich bin halt ihr Kind und bleibe für sie ein Kind ;-) blieb verhätlnismäßig "cool".

Und dann begann erneut die Zeit des Wartens. Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag = Montag! Ich hatte schon bessere Wochenenden.

Morgens früh wieder ins Krankenhaus, ein Großteil der Prozedur, wie oben beschrieben, nochmal von vorn. Und nochmal voneinander verabschieden. Da kommt man emotional ziemlich an seine Grenzen. Dann wurde mir die Etage und Station zugewiesen, auf der ich dann auf mein Bett warten durfte. Genau: schon wieder warten! Ich schaute aus dem Fenster.

Herrlicher Ausblick! Das beruhigte mich etwas. Nach ca. 10 Minuten kam eine freundliche Krankenschwester herein, stellte sich mir kurz vor und teilte mir mit, dass ich doch in eine andere Etage "verlegt" werden müsse. Die Bettenzahl in Zeiten wie diesen ist eben knapp. Also wieder in den Aufzug und eine kleine Reise durch die Etagen des Krankenhauses. Ich bin noch nie zuvor so oft Fahrstuhl gefahren!


Anschließend erneutes Warten. Wieder knappe 10 Minuten.


Und in diesen 10 Minuten erlebte ich die pure Hektik eines Krankenhauses in der "Corona-Zeit"!


Von jetzt auf gleich wurde es mehr, als lebendig. Saß ich eben noch allein und einsam wartend herum, lief nun jeder hin und her. Ärzte wie Pflegepersonal - es ging zu wie in einem Taubenschlag! Offenbar war es vollkommen egal, dass ich, als Patient, alles mitbekam. Oder, ich war unsichtbar!?

So bekam ich diverse Dialoge und Diskussionen mit, bei denen ich mir am liebsten die Ohren zugehalten hätte und ich fragte mich in diesen Minuten wirklich, ob ich nachher dort auf dem OP-Tisch liegen wollte! Aber es ging ja hier absolut nicht um's Wollen, sondern um's Müssen!

Kurz zusammengefasst: das medizinische Fachpersonal, das dort hektisch herum lief, beklagte sich lauthals über die unhaltbaren Zustände, die wohl vor allem im "organisatoren Bereich" lagen und der ganze Aufwand und, dass sich alle "klonen" mussten.

Ja - ich hatte eine gewisse Vorstellung davon! Hatten uns die Medien doch bereits wochenlang zuvor damit konfrontiert. Aber auch mein gesunder Menschenverstand verhalf mir zu einer gewissen Vorstellungskraft. Doch wenn man dies - unfreiwillig - leibhaftig miterlebt, stellt das doch innerlich so ziemlich alles auf den Kopf und in mir wallte ein Gefühlschaos auf! An der Stelle musste ich mich also erstmal selbst retten:

Gelassenheit war das Zauberwort. Ohren auf Durchzug schalten. Ich holte mein Handy aus der Tasche und daddelte herum. Zwischendurch machte ich einige (vertretbare!) Fotos. Das lenkte mich ab und ich konnte alles drumherum weitgehend ausblenden.

Und dann eilte sie endlich zu mir: die freundliche Stimme einer hektischen Krankenschwester, die mir mein Bett zuwies. Ich muss schon zugeben, wenn man das Krankenhaus so ganz alleine betreten muss, quasi schnurstracks auf dem Weg zum OP-Tisch, ohne Angehörige, dass das ganz schön ans Gemüt geht! Ich musste mehrmals tief Luft holen ...

Die Krankenschwester nahm derweil alle Formulare, die man mir unterwegs auf meiner Reise durch die diversen Etagen und Abteilungen in die Hand gedrückt hatte, entgegen und prüfte diese. Gleichzeitig machte sie keinerlei Hehl daraus, dass sie derzeit versuchte, das “reinste Chaos“ zu bewältigen! Na wenigstens war es „rein“. Sie schüttete mir sogar - völlig ungezwungen - ihr Herz aus. Ich hatte die Wahl: weglaufen oder bleiben. Ich entschied mich mutig für die zweite Variante und nahm es als Herausforderung an: ich hörte ihr zu, derweil sie hektisch in den Formularen blätterte. Die Situation war schlicht weg so unrealistisch, dass sie schon fast an Satire grenzte! Ich mischte mich in ihren Wortschwall und versuchte, etwas Humor mitschwingen zu lassen. Das klappte zum Glück! Sie schwenkte um von "überfordert" in "witzig-überfordert". Ich ließ innerlich kurz ein Stoßgebet gen Himmel los ... Mein Herz pumpte derzeit vermutlich mengenmäßig den halben Amazonas durch meine Adern. Dann wurde aus dem hektischen Geplänkel tatsächlich ein munteres Gespräch! Immer noch gepaart mit einer guten Portion Humor. Denn: Krankenschwestern sind auch "nur" Menschen, die unter mehr als besonderen Umständen täglich versuchen, Leben zu retten und Leben möglich machen! Und ja: sogar ihr eigens Leben derzeit auf besondere Weise hinten anstellen. Und wie wir auch längst alle wissen, steht ihr Arbeitseinsatz in keinster Weise im Verhältnis ihres Verdienstes in Form von Geld! Da können wir alle noch lange am Fenster hinaus klatschen und fröhliche Lieder singen ...

Mir wurde die Krankenschwester sogar inzwischen richtig sympathisch. Denn sie war authentisch! Sie verstellte sich nicht. Sie zeigte, dass sie ein menschliches Wesen und kein perfekt durchprogrammierter, gefühlloser Roboter war und dennoch versuchte, ihrem systemrelevanten (!) Job gerecht zu werden. Ich verurteilte sie daher für den ein oder anderen verbalen Ausrutscher ("...ach Du scheiße ... Wie soll soll man denn das noch schaffen ... das ist doch alles Mist hier ..."), der mich innerlich fast die Flucht hat ergreifen lassen, nicht. Das war nun mal der IST-Zustand! Und gewiss immer noch besser, als der einst in Italien, Frankreich, Spanien, Groß Britannien, den USA oder vor allem derzeit in Brasilien! Wenn man sich das bewusst machte, wurde einem klar: im wahrsten Sinne des Wortes also Augen zu und durch - ab auf den OP-Tisch!


So war's dann auch. Die Krankenschwester legte mir mein "sexy" Gewand hin, erzählte noch ein wenig mit mir (ich schweige an der Stelle still - so von Frau zu Frau und lasse den beruflichen Hintergrund mal völlig außen vor - denn wir Frauen sind ja auch nur "Menschen" ;-) (ja, wir sind alle viele, auf diesem Planeten, nicht wahr?) und verabreichte mir die sogenannte "Scheiß-egal-Pille". Und von da an wusste ich: jetzt war Weglaufen absolut nicht mehr möglich und ich schnappte mir noch schnell mein Tasche, während ich die Pille runterschluckte (nachdem ich jetzt schon 18 Stunden ohne Essen und 4 Stunden ohne Trinken ausharren musste) und dankbar für die paar Schlucke Wasser war, die meinen Hals hinunterliefen, als wäre es Perlwein.

Ich kramte ein kleines Büchlein hervor, von dem ich gar nicht wusste, dass es noch in dieser Tasche war, seit ich es vor einigen Wochen zufällig im Bücherladen entdeckte. Und der Titel lautete schlicht und ergreifend:


"Verschiedene Arten von Warten"


Ich musste unweigerlich lachen! War das etwa schon eine Vorzeichen gewesen? Offenbar! Nichts geschieht wirklich zufällig. Alles hat seine Zeit und seine Bestimmung. Insbesondere das Warten ...

Ich schaffte ca. 10 (aufschlussreiche!) Seiten des kleinen Büchleins, dann verschwammen mir die Buchstaben vor den Augen. Die "Pille" zeigte ihre Wirkung. Ich ließ das Büchlein wieder in meine Tasche gleiten und starrte die Schrankwand vor mir an.


"Das Warten beraubt uns nicht, es beschenkt uns, und zwar mit uns selbst."


Wie wahr! So stand es hinten auf dem o.g. Büchlein. Derweil lief die Krankenschwester immer wieder und wieder hektisch hin und her, raus ins Zimmer, rein ins Zimmer. Zwischendurch hörte ich sie telefonieren und ihrem Tonfall entnahm ich, dass sie am Rande ihre Nervenkraft war. Und in dem Moment ging mir der Gedanke durch den Kopf: "Hoffentlich kann ich mich danach noch an all' das erinnern!"

Einige Minuten später wurde ich in den OP-Saal geschoben ... Ich verspürte keinerlei Angst, sondern versuchte, trotzt meines etwas "tüddeligen" Zustandes, alles noch so bewusst wahrzunehmen, wie nur möglich. Der Anästhesist sprach ruhig einige wenige, notwendige Worte mit mir, setzte die Kanüle ... Ich nahm noch die riesigen OP-Lampen über mir wahr und ringsherum Hände, die um mich griffen und mich zurechtschubsten und schon tauchte ich ab ins Land der Träume - oder wohin auch immer ...


Die OP dauerte doppelt so lange, als ursprünglich gedacht bzw. geplant. So fühlte ich mich auch, als ich aufwachte. Schmerz, Schmerz und nochmal Schmerz! Ich realisierte erst nach und nach, wo ich mich befand und was gerade geschehen war. Dann nahm ich den Tropf an meiner Seite wahr und die Kanüle mit dem Schlauch in meinem Handgelenk. Und das war's auch schon. Da saß niemand an meinem Bett und hoffte, dass ich aufwachte oder sich freute, dass ich alles gut überstanden hatte. In Zeiten von "Corona".


Ich lenkte erneut eine eigene lebensrettende Maßnahme ein, die mir glücklicher Weise wohl vor allem von meinem Dad in die Wiege gelegt wurde: "Ah, Currywurst & Pommes - intravenös!" Und just in diesem Augenblick kam die Krankenschwester zu mir und realisierte, dass ich aufgewacht war. Ich brabbelte den Gedanken mit der Currywurst vor mich hin. Ich musste mich wohl angehört haben, als ob ich ca. 2,0 Promille im Blut hätte. Sie musste lachen und meinte prompt: "Na, zum Glück hab ich ja bei Ihnen auch jemanden mit einer guten Portion Humor! Wir werden später erstmal 'ne Tasse Kaffee zusammen trinken! Wie fühlen sie sich?“

Als hätte mich ein 7,5-Tonner geknutscht.

Ich versuchte lächelnd zu nicken - soweit das überhaupt möglich war, aber ich sah, dass das Zeichen bei ihr ankam und sie schien zufrieden. Eine Krankenschwester - dieselbe, wie bei meiner Einweisung. Die Einzige, die sich um mich und andere Patienten kümmerte. Die Einzige, mit der ich sprechen konnte. Diese eine Krankenschwester musste alles bewältigen und somit auch trösten und Mut machen. Und ich hatte wahrlich Glück mit ihr! Weil sie so authentisch war, so menschlich und das auch noch auf humorvolle Weise - in Zeiten wie diesen!

Sie schaute alle paar Minuten nach mir und sprach mich an. Immer mit einer erträglichen Portion Humor.


(Und wie meine "kleine" Schwester zu Recht später sagte: "Wer weiß, welche Krankenschwester da gewesen wäre, wenn die OP nicht verschoben worden wäre. Vielleicht sollte das so sein!?" Und so zeigte sich, das Warten hatte wohl einen guten Sinn gehabt und auch dafür bin ich dankbar!)


Meine Schmerzsignale hatte besagte Krankenschwester trotz aller Aufgaben, mit denen sie betraut war, wahrgenommen - welch ein Glück in diesem ganzen "Corona-Chaos". Ich musste also nicht mehr leiden, als nötig ;-)


Nachdem ich dann endlich auch den Tropf mit der Infusion los war, alleine zur Toilette gehen konnte, endlich was Festes zum Beißen und zum Trinken zu mir nehmen durfte (Zwieback & Tee sind nach einer überstandenen OP ein wohltuendes 2-Gänge-Menü), kehrte tatsächlich etwas Ruhe auf der Station ein. Ich kam mit der Schwester wieder ins Gespräch und sie plauderte aus dem Nähkästchen. Ich stellte absolut nichts in Frage, von dem was ich da hörte, denn es passte absolut ins Bild dessen, was ich zuvor leibhaftig miterleben durfte (musste!).

Und ich betone nochmals an der Stelle: alles das, was wir i.S. "Corona" aus den Medien entnehmen ist nichts im Vergleich zu dem, wenn man in dieser Zeit höchst persönlich im Krankenhaus landet! Und wir sind hier in Deutschland - in den oben erwähnten Ländern sähe es nochmals weit aus anders aus und ich bin - ja - dankbar dafür, dass ich diese Zeit maximal mit einer verschobenen OP, einer Vertikal-Reise durchs Krankenhaus, einer hektisch-überlasteten (aber humorvollen & fürsorglichen!) Krankenschwester begegnen durfte. Denn wäre ich "andernorts" zu jenem Zeitpunkt ins Krankenhaus gebracht worden, wären meine Überlebenschancen derart gesunken, dass ich es mir gar nicht weiter vorstellen mag. Bei einer Überlastung der Krankenhäuser wären Fälle wie meiner einfach komplett hinten angestellt worden und man hätte zweifelsohne in Kauf genommen, dies evtl. mit dem Leben bezahlen zu müssen. Das waren die Worte der Krankenschwester, mit der ich vor meinem Heimgang noch ein respektvolles 4-Augen-Gespräch führen konnte. Ich war bestimmt noch ziemlich fahl im Gesicht von der OP, aber diese Aussage trieb mir vollends die Blässe ins Gesicht. Wahre, schnörkellose Worte.


Besagte Krankenschwester begleitete mich übrigens nach meiner Entlassung noch von der Station in den Aufzug und runter bis draußen vor den Haupteingang. Und das, obwohl sie regulär bereits eine Stunden über ihrer Arbeitszeit war - ohne Pause! Und immer noch betonte sie, dass sie ihren "Job" von Herzen gerne machte! Das spürte man. So brachte sie mich noch persönlich zu meiner Schwester, die bereits geduldig vor dem Haupteingang auf mich wartete. Denn auch im Krankenzimmer abholen dufte mich niemand - es war kein Besuch in dieser Zeit gestattet. Und hier zolle ich auch meinen allergrößten Respekt gegenüber den Menschen, die derzeit noch in den Krankenhäusern einen längeren Zeitraum verbringen müssen - ohne Besuch ihrer Angehörigen*. Das zu erleben, ist schlichtweg grausam. Es zu überleben jedoch Glück und vor allem der fürsorglichen Anstrengung des gesamten medizinischen Fachpersonals geschuldet! Allen Patienten, die dort unter diesen Umständen um ihr Leben kämpfen - ohne regelmäßigen Besuch empfangen zu dürfen - kann ich von hier aus nur viel Kraft und Ausdauer wünschen - ebenso den Angehörigen.


*Nur gewisse Ausnahmen sind gestattet und dies ist wiederum

regional und von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich geregelt.


Übrigens: ich habe der Krankenschwester noch ein "Trinkgeld" auf ihren Tisch gelegt. Ohne Worte. Dennoch sprach sie mich hinterher darauf an und erklärte, dass sie keine Kaffeekasse o.ä. dort führen würden und dies auch absolut nicht nötig sei, sie mache schließlich "... hier ja auch nur ihren Job" - wörtlich! Ich entgegnete ihr: "Nein, es ist eben nicht einfach nur ein Job. Und da ich weiß, dass das so ist und ich das auch zu schätzen weiß - jetzt noch mehr denn je - ist das nur ein Tröpfchen Anerkennung dessen. Nehmen Sie es einfach und gönnen sie sich mal 'ne Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen außerhalb dieser Wände hier."

Singen & Klatschen sind eine tolle Geste - soviel ist klar.

Ich kann nur hoffen, dass diese besonderen Zeiten, in denen wir alle auf irgendeine Weise unsere Beitrag leisten und uns zurücknehmen müssen, die Gesellschaft und vor allem die Politik dazu bewegen, die Menschen, die man nun als

Helden bezeichnet, auch so bezahlt!

Systemrelevant ist das eine,

Menschlichkeit & Respekt das andere!


P.S.: meine ganz persönlichen und privaten Helden sind übrigens meine Familie 💓, die bereits um Einiges geschrumpft ist, weil u.a. mein Dad viel zu früh „gehen musste“. :-(

Und deshalb passen wir untereinander alle so gut auf uns auf und sind ebenfalls dankbar für jeden Tag, an dem wir uns haben.

© Alex We Hillgemann / Alexografie.de - Troisdorf, 27. Mai 2020





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