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Knallen ohne Qualen!

Warum wir Silvester ohne Böllerei lieben sollten ...



Puh, wer hätte gedacht, dass ich so schnell wieder vor der Tastatur sitze, nachdem ich erst vor kurzem meinen abenteuerlichen Jahresrückblick 2023 veröffentlicht habe?! Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ...

Als hochsensibles Wesen kann ich natürlich nicht anders, als meine Gedanken wild durch alle möglichen (Himmels-)Richtungen fliegen zu lassen. Während ich hier gemütlich in meinem Arbeitszimmer sitze und die ersten Zeilen tippe, knallt es draußen schon wie in einem Kriegsgebiet.

Klar, warum auch nicht? Gesetze sind ja nur Empfehlungen, oder? Wer braucht schon Rücksichtnahme und Verständnis, wenn man auch einfach mal die Nachbarschaft mit Feuerwerkskörpern "terrorisieren" kann?

Frohes Neues Jahr, Leute, lasst uns gemeinsam die Gesetze ignorieren und das neue Jahr mit viel Knallerei bereits am 27.12. laut feiern! Denn genau an diesem Tag begann hier ringsherum schon die sogenannte Böllerei.


Und da sind wir schon beim Thema:

Silvester-Feuerwerk JA oder NEIN?!

INHALTSVERZEICHNIS:



Kaum ein Thema spaltet die Menschheit wohl zu dieser Zeit mehr.

Nachdem hier der letzte Sturm „Zotan“ Dächer weggerissen, Bäume umgehauen und Autos zerstört hat uuusw., warten wir noch heute auf die Dachdecker, die uns davor bewahren, dass wir in einem aufgeweichten Bett schlafen müssen – genau über dem Schlafzimmer klaff ein paar Löcher im Dach. Sie dienen uns jetzt als exklusive Sternenluke oder sorry, als Silvester-Feuerwerk-Luke – romantisch, oder?

Nun gut … üben wir uns in frommer Gelassenheit und Hoffnung, dass die Dachdecker bald eintreffen mögen (meinen tiefen Respekt an der Stelle gegenüber diesem Handwerk).


Da steht man dann so, den Blick gen Himmel gerichtet, dieses atemberaubende Lichtermeer bewundernd, während man das alte Jahr mit einem Hauch Wehmut ziehen lässt. Vielleicht rollt dabei sogar das eine oder andere Tränchen – wer kennt das nicht zur glorreichen Silvesternacht?! Ein Moment voller Hoffnungen, wenn man mit den (wieder mal neu erfundenen) guten Vorsätzen dem neuen Jahr entgegensieht.


Ich habe noch nieeeemals selbst auch nur einen einzigen Böller oder ähnliches gezündet. Wunderkerzen haben mir in meiner Kindheit als Action völlig ausgereicht. Und im Zuge des Erwachsenwerdens habe ich immer einen gebührenden Sicherheitsabstand zu der freudigen Knallerfront bewahrt. Nach max. 10 Minuten habe ich mich dann meist wieder in die Sicherheit unserer Stammkneipe begeben und versucht, im Bierschaum meines Pilsglases die Zukunft zu lesen.


Es gibt noch zwei unschlagbare Gründe, warum ich dem Silvesterfeuerwerk in den letzten Jahren eher Abstand gezollt und drinnen gemütlich bei einer Tüte Chips auf dem Sofa saß oder ein leckeres Raclette gezaubert habe:


Ich habe Bronchial-Asthma (einigermaßen gut im Griff …) und meine Seelenhündin #MarlaPeppels hat Epilepsie.


Marla Peppels

Rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an medikamentös behandeltem Asthma Bronchiale.*

Wieviele Hunde deutschlandweit an Epilepsie leiden, kann ich nicht sagen. Aber ich alleine kenne viele ebenfalls Betroffene und bin immer wieder darüber erschrocken, mit welchem Leid die Tiere und ihre Besitzer aufgrund dieser Krankheit in ihrem Alltag zu kämpfen haben.


Marla hat die letzten Jahre zu Silvester erheblich gelitten. Massives Zittern, Hecheln, Speicheln bis hin zur Kollabierung bzw. bis hin zu einem epileptischen Anfall. Ich mag hier gar nicht beschreiben, was für eine stundenlange Tortur dies ist, den Hund quasi lebend ins nächste Jahr zu retten - während man mit ihm in einem dunklen Raum unter einer Decke kauert! Zwei solcher Anfälle endeten beim tierärztlichen Notdienst bzw. in der Tierklinik.

Ein Hoch auf die Silvester-Böllerei! :-(


Heute ist der 30.12.2023 – ich bekomme Marla kaum vor die Türe! Sie reagiert bereits bei dem bloßen Versuch, das Haus zu verlassen, damit sie ihr „Geschäft“ (= ihre Notdurft!) verrichten kann, panikartig! Für einen Hund mit Epilepsie ist dies eine unvorstellbare Qual. Und während ich dies hier schreibe, muss ich meine Tränen zurückhalten, weil dies auch für mich eine unglaublich anstrengende Zeit ist, die mir fasst das Herz raussreist! Seinen Hund so leiden zu sehen ist - bereits mehrere Tage vor Silvester - eine Folter!


Wie mögen sich Tierschutzhunde an solchen Tagen und Nächten fühlen, die in ihrem Leben bereits Schlimmstes überstehen mussten?

Wie fühlen sich geflüchtete Menschen, die aus jenen Kriegsgebieten kommen, bei denen ihnen täglich die Bomben nur so um die Ohren flogen? Aktuell ist die Welt vielerorts kriegserschüttert!

Wie mögen sich Menschen fühlen, die anderweitig traumatisiert sind?

Wäre es nicht längst Zeit, diese Tradition, an Silvester Böller in den Himmel zu schießen, durch verträglichere Alternativen abzulösen?!


Eine kurze Zusammenstellung von Argumenten zeigt, dass es aus heutiger Perspektive viele Gründe gibt, auf die Silvester-Böllerei zu verzichten.

Als kleinen Bonus findet Ihr im Anschluss auch ein paar Vorschläge für potenzielle Kompromisslösungen ...


1. Haus- und Wildtiere:

  • Laute Geräusche von Feuerwerkskörpern können Haustiere, insbesondere Hunde und Katzen, stark stressen. Viele Tiere haben ein sensibles Gehör und empfinden die lauten Knallgeräusche als bedrohlich. Der dadurch ausgelöste Stress kann zu Angstzuständen, Panikattacken und sogar Verletzungen führen.


  • Wildtiere sind oft nicht auf laute Explosionsgeräusche vorbereitet. Das plötzliche und laute Feuerwerk kann Tiere erschrecken, sie aus ihrem natürlichen Lebensraum vertreiben oder zu panischen Fluchtreaktionen führen. Dies birgt die Gefahr von Verletzungen. Besonders in städtischen Gebieten besteht durch die Flucht vor dem Lärm die Gefahr von lebensgefährlichen Unfällen von Mensch und Tier.

  • Der Schwefelgeruch wirkt sich insbesondere bei Tieren äußerst verstörend aus. Tiere haben oft einen viel empfindlicheren Geruchssinn als Menschen, und der starke Geruch von Schwefel kann zusätzlichen Stress und enormens Unbehagen verursachen. In der Natur sind viele giftige oder gefährliche Substanzen mit einem charakteristischen Geruch versehen. Tiere reagieren mit Stress und Panik auf bestimmte Gerüche, die in ihrem Überlebensinstinkt verankert sind: im Laufe der Evolution haben sie die Fähigkeit zur Geruchserkennung entwickelt, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Den Geruch von Schwefel assozieren Tiere daher oftmals mit Gefahr! Dies wiederum löst ebenfalls bei vielen Tieren akuten Stress aus bzw. führt zu gefährlichen Fluchtreaktionen.

  • Die plötzlichen Lichtblitze und der Lärm der Feuerwerke können Vögel und andere Tiere aus dem Schlaf reißen. Dies kann ihre natürlichen Verhaltensmuster beeinträchtigen, darunter auch die Orientierung bei der Nahrungssuche. Insbesondere bei erkanktem, schwachen Tiere wirken sich die Lichtblitze und Knallgeräusche extrem belastend aus.

  • Übrigens: Zu keiner Zeit werden bei Tasso e.V. mehr geflüchgtete Tiere gemeldet, also zu Silvester!


2. Umwelt:

  • Die chemischen Rückstände der Feuerwerkskörper können zudem Böden und Gewässer belasten. Feuerwerkskörper setzen verschiedene Schadstoffe frei, darunter Schwermetalle und andere chemische Substanzen. Diese Partikel können in die Luft, den Boden und das Wasser gelangen und die Umwelt verschmutzen und sind insbesondere für Menschen mit Atemwegserkrankungen extrem gesundheitsschädlich. Die langfristigen Auswirkungen auf die Ökosysteme sind oft schwer abzuschätzen.


3. Brandgefahr:

  • Feuerwerkskörper können gefährliche Brände verursachen. Funkenflug und Glut können leicht entzündliche Materialien erreichen und somit zu Waldbränden oder anderen Brandgefahren führen.


4. Erhebliche Verletzungsgefahren:

  • Viele Feuerwerkskörper erreichen hohe Geschwindigkeiten und können schwere Verbrennungen oder Verletzungen durch den direkten Kontakt verursachen.

  • Unprofessionelle Handhabung von Feuerwerkskörpern kann zu unkontrollierten Explosionen führen. Das Risiko von Handverletzungen und Augenschäden ist hoch, wenn beispielsweise Böller zu früh explodieren oder falsch gehalten werden.

  • Die unsachgemäße Verwendung von Feuerwerkskörpern, wie das Anzünden in der Hand oder das Umgehen von Sicherheitsrichtlinien, erhöht das Risiko von Verletzungen erheblich.

  • Der Lärmpegel von Feuerwerken kann Gehörschäden verursachen, insbesondere bei unsachgemäßer Verwendung oder wenn Personen zu nah an den Explosionen stehen.


5. Müllentsorgung:

  • Feuerwerkskörper erzeugen nicht nur Luftverschmutzung, sondern hinterlassen auch erhebliche Mengen an Müll. Nach der Silvesternacht liegen vielerorts Überreste von abgebrannten Feuerwerkskörpern auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. Die Beseitigung dieses Mülls erfordert zusätzliche Reinigungsmaßnahmen, was nicht nur arbeitsintensiv ist, sondern auch mit erheblichen Kosten verbunden ist.


Indem man all' diese Punkte berücksichtigt, wird deutlich, dass die Böllerei an Silvester nicht nur unmittelbare physische Gefahren für Tiere und Menschen darstellt, sondern auch langfristige Umweltbelastungen, Gesundheitsprobleme und finanzielle Belastungen mit sich bringt.

Die Silvester-Böllerei ist nicht nur ein bisschen Knall und Rauch. Nein, es ist vielmehr ein wahrhaft umfassendes Paket an physischen Gefahren, welche insbesondere den Tieren das Fürchten lehrt. Und als Bonus oben drauf gibt es auch noch langfristige Umweltbelastungen, ein paar nette Gesundheitsprobleme für die Menschheit und – weil wir es "lieben" – eine gehörige finanzielle Belastung für den ganzen Spaß. Cheers!


Diese kurzfristige Gaudi an Silvester steht also total im Einklang mit den nachteiligen "Ach-was-soll's"-Auswirkungen auf Umwelt und Tierwelt. Aber wer braucht schon Langzeitdenken, wenn man stattdessen in einem funkelnden Rausch der Ignoranz schwelgen kann?


(*Sarkasmus-Knopf-AUS*)

Diese Diskussion sollte spätestens im nächsten Jahr ergebnisorient geführt werden.

Vielleicht können wir dann endlich die perfekte Balance zwischen Feiertraditionen und dem Schutz von Umwelt, Tieren und Gemeinschaften finden .



Es gibt längst verträgliche Kompromiss-Lösungen!

Natürliche und nachhaltige Alternativen zur Böllerei an Silvester können dazu beitragen, die Umweltauswirkungen zu reduzieren und Tiere sowie Menschen weniger zu stressen. Hier sind einige Vorschläge:


1. Lichterzauber auf andere Art:

  • Statt lauter Feuerwerkskörper kann man eine festliche Atmosphäre durch das Aufstellen von Lichterketten, Laternen, Solar-Leuchten oder LED-Lichtern schaffen. Dies zaubert Helligkeit und Farben in die Nacht, ohne Lärm und Luftverschmutzung zu verursachen.


2. Lichtprojektionen:

  • Moderne Laser-Technologien ermöglichen es, farbenfrohe Muster oder Bilder an Gebäude oder auf den Boden zu projizieren. Kunstinstallationen oder Lichtshows im öffentlichen Raum, die umweltfreundlich und ressourcenschonend sind, können zudem eine kreative Alternative zu lauten Feuerwerken sein. Hier sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

4. Lagerfeuer und Feuerschalen:

  • Ein kontrolliertes Lagerfeuer oder das Anzünden von Feuerschalen können eine gemütliche und traditionelle Atmosphäre schaffen (natürlich unter Beachtung der jeweiligen örtlichen Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen).


5. Silent Disco oder Musikfeuerwerk:

  • Das Organisieren von sogenannten  "Silent Disco’s" mit Kopfhörern, um die Geräuschbelastung zu minimieren oder ein Musikfeuerwerk: musikalische Inszenierungen erzeugen auf diese Weise eine festliche Stimmung, ohne all’ zu große Lärmbelästigung.


7. Gemeinschaftsveranstaltungen und Konzerte:

  • Das Besuchen öffentlicher Veranstaltungen, die von den Städten und Gemeinden organisiert werden. Dies reduziert den Bedarf an individuellem Feuerwerk und fördert die Gemeinschaft.



Das sind nur einige Beispiele über nachhaltige Alternativen zur Silvester-Böllerei! Sicherlich gibt es da noch mehr, wenn man in die öffentliche Diskussion geht – Phantasie, Ideenreichtum im Einklang mit Natur und Umwelt ist hier gefragt.


Diesen Blog schreibe ich nicht nur, weil ich als Tierliebhaberin bzw. gesundheitlich selbst unmittelbar betroffen bin. Nein, aufgrund meiner Hochsensibilität ist Silvester in diesen Ausmaßen eine absolutes Martyrium. Es gibt ca. 15 – 20 % HSP’ler (High Sensitiv Person) auf dieser Welt. Vermutlich wünschen sie sich ebenfalls, dass hier eine sinnvolle Kompromisslösung gefunden wird, um den Jahreswechsel zur Silvester gebührend zu feiern.


Inmitten des krachenden Abschieds vom alten Jahr wünsche ich uns allen

für das neue Jahr einen stillen Beginn, der mehr Freude schenkt

als jeder Feuerwerkszauber - ein frohes und gesundes neues Jahr

voller Achtsamkeit, Rücksichtnahme und positiven Veränderungen!


Eure Alex



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"Nicht unsere Expertise bleibt in Erinnerung, sondern die Geschichten, die wir erzählen. Geschichten, die auf unseren eigenen Erfahrungen beruhen. DAS sind WIR. Alexografie."

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© Alexografie.de - Alex We Hillgemann - Dez. 2023 / Photos: Alex We Hillgemann, Wix




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