Blog - 03.07.2014 - Es lebe der Kaiserbau!

Ja, ja, ja … und schon wieder ist der Kaiserbau das Thema! Ich kann's eben nicht lassen. Warum auch? Er war ja schließlich das Denkmal unserer Jugend und das Wahrzeichen von Troisdorf. Und er spaltete die Bevölkerung: die einen liebten, die anderen hassten den grauen nie vollendeten Betonklotz. Als er am 13. Mai 2001 gesprengt wurde, war dies ein Ereignis, wie es seitdem (und auch lange davor) kein zweites in Troisdorf gab. Die Fotodokumentation und alles andere dazu ist nach wie vor hier zu finden.

Kaiserbau - 2001

Doch warum jetzt schon wieder dieses Thema? Na, wegen "Meia"! www.ein-bisschen-meia.de. :o) … und diesem Teil seiner Website.

Meia (mit bürgerlichem Namen Reiner Meyer) ereilte 2002 eine heftige Erkrankung, die sein Leben von Grund auf veränderte. Darüber berichtet er u.a. auch auf seiner o.g. Website - es ist mehr als nur lesenswert! Die in den 80er/90er noch recht lebendige Punkszene in und um Troisdorf dünnte sich zunehmend aus. Gründe dafür gab es viele. Seien es gesellschaftliche Veränderungen, politische, persönliche usw. Die Generation Punk kannte keine Langweile, brauchte keinen Luxus, Weichspülermusik, Bevormundung. Die Generation war sowohl politisch aktiv, setzte sich lautstark dem Konsumzwang und sonstigen Zwängen entgegen, denen sich die Gesellschaft nur all' zu gerne kampflos hingab. Ebenso waren Ungerechtigkeit und falsche Verteilung von "Reichtum" - Geld & Macht - ein stets präsentes Thema - und das ganz ohne Internet und Handy. Die Punks von damals fielen auf: durch ihr Äußeres, durch ihre Musik, durch ihre politische Einstellung. Die Feten, die seinerzeit im und rund um den Kaiserbau stattfanden, waren jedoch mehr von Intellekt … Tiefsinnigkeit und Organisationstalent geprägt, als man das heute noch von der Nachfolgegeneration erwarten könnte - und auch das: ohne Internet und Handy - ja sogar ohne Telefon!

Punkkonzerte diente nicht zuletzt nur dazu, um sich den Frust aus der Seele zu schütteln. Sie waren auch ein Ort der Ideenschmiede und Begegnungen. Begegnungen, aus denen Freundschaften entstanden, die bis heute existieren - nach über 25 Jahren! Mittelpunkt in Troisdorf war ganz sicherlich der Kaiserbau. Nach meiner 1. Einzelausstellung damals im Mai 2002 ergaben sich zwei weitere Gemeinschaftsausstellungen in der damaligen "Litro Pinte" (Mai 2003) und dem Rathaus in Troisdorf (Juni 2004), in denen wir gemeinsam den Kaiserbau wieder auferstehen ließen! Ich hätte es damals selbst nicht gedacht, aber "wir" Alten ;-) aus der Punkzeit hatten es nicht verlernt: auf Worte folgten Taten. Die beiden Gemeinschaftsausstellungen waren ungemein bedeutsam für uns alle, die der Erinnerung an die damalige Zeit geschuldet war und sie weiter am Leben hielt: der Kaiserbau ist tot - es lebe der Kaiserbau!

Kaiserbau Überreste - 13. Mai 2001

Und dann ereilte mich nach all' den Jahren, seit es Maia quasi fast aus dem Leben "gehauen" hat - eine E-Mail von ihm. Er hatte sich, genau wie ich, in dieser sehr langen Zeit mit dem Schreiben von Texten etc. und dem Erstellen einer Website beschäftigt - jeder auf seine ART. Erlebnisse, Eindrücke, Fotos, Berichte und und und … Maia berichtet ungemein lebhaft und fern vom Mainstream. Weder Krankheit, noch eine unbeheizte Wohnung … haben ihn davon abgehalten, voller Überzeugung alles niederzuschreiben, was ihm Wichtig war und ist. Als ich mir die Website an diesem Abend genauer ansah, wurde mir klar, wieviel Herzblut Maia in seine Website gesteckt hatte. Er erweckt die damalige (Punk-)Szene zu Zeiten des Kaierbau's quasi darin wieder zum Leben. 

Inbrünstige Aufstände und Proteste gegen Rassismus, AKW's usw… Berichte über die damaligen Punkbands mit ihren schrammigen Gitarrenklängen und die Stimmgewalt jener Leadsänger in oftmals kleinen Konzertsälen und stickigen Szenekneipen … Meia kann über all' das berichten - unverfälscht und den eigenen Erlebnissen so nahe wie die Unterhose dem eigenen Hintern! Ein echter Zeitzeuge, wie er kaum noch in Troisdorf zu finden ist. Will man mehr darüber erfahren - aus erster Hand - dann MUSS man sich seine Website anschauen! Im heutigen Zeitalter liegt es ja nahe, mit seinem Tablett oder Smartphone ins Bett zu gehen - anstatt mit einem Buch. Also dann, nur zu! Jene, die diese Szene damals mit erlebten und jene, die nur davon erzählt bekamen, sollten sich die Zeit nehmen, www.ein-bisschen-meia.de zu durchstöbern. Seine Website ist ein kulturelles Vermächtnis an jene Zeiten, wie ich sie unendlich vermisse. Und: er veröffentlichte sogar ein Buch: "Wurmterror"!

Meia's E-Mail vor zwei Tagen hat mir wieder soviel Input gegeben, dass ich selbst nach einem harten Arbeitstag (es ist jetzt bereits 18.45 Uhr), zu essen und zu trinken vergass und fast den Handwerker vor der Türe stehen ließ, der unseren Durchlauferhitzer erneuern sollte (wir hatten jetzt einige Tage hindurch überwiegend kaltes Wasser - auch das zeigt einem mal wieder, das die Selbstverständlichkeit von warmen … heißen Wasser zum Luxus werden kann - von einem Tag zum anderen).

Meia und ich werden hoffentlich von nun an in Kontakt bleiben :) und den anderen da "draußen" aus dem Verborgenen und aus damaligen (und heutigen) Zeiten berichten - das digitale Zeitalter macht's eben möglich und ist Fluch und Segen zugleich. Wir werden sehen … bzw. lesen: hier & bei Meia!

DANKE - Meia, für Deine E-Mail, die ich am 02.07.2014 von Dir erhielt und ich vor allem nun auch weiß, dass meine Newsletter an Deine E-Mail-Adresse über all' die Jahre irgendwie auch bei Dir angekommen sind! ;o) Und … dass Du Dich nicht hast unterkriegen lassen!!!!!!!!!!!!!!

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